Wiesbadener Tagblatt

Apfelwein-Oase hat auch Spezialbier im Angebot

30.07.2008 Von Marianne Kreikenbom

   
     
Bei "Äbbelwoi Schmidt" kommen alle auf ihre Kosten Wer glaubt, hessische Apfelweinwirtschaften hätten wegen der Nähe zum Rheingauer Riesling in Wiesbaden keine Chance, der befindet sich auf dem Holzweg und kennt "Äbbelwoi Schmidt" von Bernd Martin Hamacher und Dieter Budecker nicht. 1997 haben sie das Ausflugslokal am Bornhofenweg übernommen. Eigentlich liegt es mitten in der Stadt. Vom Dürerplatz ist es nur einen Katzensprung entfernt. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich Düreranlagen und Walkmühle. "Trotzdem kennen uns viele Wiesbadener nicht", sagt Hamacher ohne zu klagen. "Wir machen keine große Werbung." Auch so hat sich der "Äbbelwoi Schmidt" von Hamacher und Budecker herumgesprochen. Das bescheidene Häuschen im Garten wurde in den Nachkriegsjahren mehr schlecht als recht aus Trümmern zusammengefügt. Anfang der 50er Jahre habe die Familie Schmidt als Betreiber des Lokals hier schon gewohnt. "Damals hieß es offiziell noch `Apfelweinkrone´, aber das war völlig egal, denn jeder im Westend ging einfach nur zum Äbbelwoi Schmidt", erzählt Hamacher. Er kennt das Lokal seit seiner Jugend. "Bei der Neueröffnung haben wir dann gleich den altbekannten Namen genommen." Nach mehrfach wechselnden Besitzern war das Haus ziemlich heruntergewirtschaftet. Kein Vergleich zu heute. Neu ist zum Beispiel der überdachte Tresen vor dem Haus und der Holzbackofen, in dem Schweinshaxen, Spanferkel und später im Jahr mit Äpfeln und Maroni gefüllte ganze Gänsen schonend, aber knusprig und zart gebraten werden. Nach der Martins- oder Weihnachtsgans gibt es ein erstklassiges Lebkuchen-Tiramisu, macht uns Bernd M. Hamacher mitten im Sommer schon mal den Mund wässrig. Spanferkel, Haxen, Flammkuchen und ganze Gänse gibt es nur auf Vorbestellung. Anfangs saßen Hamacher und Budecker in den Herbst- und Wintermonaten meist allein in der warmen Gaststube, weil niemand auf die Idee kam, dass sich auch in der kalten Jahreszeit ein Besuch lohnt. Klar ist es im Sommer draußen am schönsten und schon wegen der weitaus größeren Platzkapazität läuft im Garten das bessere Geschäft. An sonnigen Sommernachmittagen und lauen Sommerabenden sind die 200 Gartenplätze im Nu besetzt. Das Publikum ist bunt gemischt. Es kommt aus dem Westend, anderen Wiesbadener Stadtteilen und Mainz, querbeet aus allen sozialen Schichten, unterschiedlichen Nationen und verschiedenen Generationen. "Wäre das nicht mehr so, müssten wir uns etwas einfallen lassen, damit es wieder so wird." Nein, kein Schickimicki. Äbbelwoi Schmidt ist für alle da. Es gibt Äbbelwoi- und Zwickelbierfreunde. Beide Gruppen halten sich in etwa die Waage. Schmidts Zwickelbier ist - so wie Dieter Budeckers Holzofenbrot - eine Spezialität des Hauses: ein nach eigenem Rezept gebrautes ungefiltertes, naturtrübes Bier. Der ausgeschenkte Äbbelwoi wird bei Rainer Emmel in Bierstadt gekeltert, die Bembel kommen aus der Pfalz, die Weine aus Hessen und der Holzbackofen aus Heiligkreuztal in der Schwäbischen Alb. Am Herd wechseln sich die beiden Herren ab. Sie sind Quereinsteiger im gastronomischen Fach, obwohl Bäckermeister Dieter Budecker - ja, er stammt aus der gleichnamigen bekannten Familie mit dem Bäckereibetrieb - schon immer an Gaumenfreuden arbeitet. Bernd M. Hamacher hat Automechaniker gelernt und später Innenarchitektur studiert.  "Unsere Küche ist einfach und bodenständig, und nichts auf der Karte kostet mehr als zehn Euro." Mehrere junge Paare mit Kleinkindern sitzen an diesem späten Freitagnachmittag an den Tischen unter den alten Bäumen. Schräg gegenüber macht sich ein kleiner Junge über einen großen Berg Pommes mit Ketchup (3,20 Euro) her. Seine Mama und seine Oma teilen sich eine Portion Spundekäs mit Brot. Ein männlicher Single mit Laptop bestellt Schnitzel nach Wiener Art (7,50 Euro). Auf der Karte stehen unter anderem Klassiker wie Handkäs mit und ohne Musik (4,90 Euro), Rippchen mit Kraut (6,90 Euro) und Grüne Soße mit Ei und Salzkartoffeln (6,50 Euro). Die Extra-Tafel am Baum verkündet weithin sichtbar Hackbraten mit hausgemachter Remoulade und Pommes (8,50 Euro) sowie Hering nach Hausfrauenart mit Salzkartoffeln (6,50 Euro).